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Corpus & Lumen

Corpus & Lumen

Kurzer Beschreibungstext.

„Dann saget, unterm Himmelszelt, mein Herz mir in der Brust: Es gibt was Bessers in der Welt als all ihr Schmerz und Lust.“ (Matthias Claudius, Die Sternseherin Lise)

Uns Menschen eigen ist der Drang, das Gesehene und Empfundene zu verstehen. Doch manchmal stoßen wir dabei an die Grenzen unserer Wirklichkeit. In Corpus & Lumen (Körper & Licht) bewegt sich Sjaella dort, wo Leiblichkeit und Göttlichkeit – irdisches Erleben und das Übersinnliche – aufeinandertreffen.

Zu Beginn des Programms spiegelt sich jene Transzendenz in vielfarbigen Hohelied-Vertonungen: Die sinnlich-bildhaften Beschreibungen menschlicher Körperlichkeit wurden schon von Meisterinnen und Meistern des polyphonen Renaissance-Stils wie Eleonora d‘Este und Nicolas Gombert oder auch vom Norweger Ola Gjeilo in überirdische Klänge gehüllt. Mit schlichtem, kontemplativen Ton begegnet Cristóbal de Morales hingegen der Vergänglichkeit: In „Parce mihi, Domine“ vertont er Hiobs Klage mit ruhigen, klar geführten Harmonien, die wie aus einem einzigen Atemfluss hervorgehen.

Die beiden zentralen Werke des Abends kreisen um Fragen nach Anwesenheit und Sichtbarkeit. Während die Sternseherin (Lise) im Anblick des nächtlichen Firmaments etwas Höheres in ihrem Leben ersehnt, rückt Paola Prestini in „Fratres“ eine oft übersehene Frauenfigur ins Licht: Maria Magdalena, deren mögliche Anwesenheit beim Letzten Abendmahl vielfach diskutiert, in den Evangelien jedoch nicht bezeugt ist. Sicht- und Unsichtbarkeit der Frau im gesellschaftlichen Kontext ist ein wiederkehrendes Thema im Schaffen der Komponistin wie auch im Profil des Frauenensembles. Musikalische Inspiration bot Prestini die gleichnamige Motette von Giovanni Pierluigi da Palestrina, einem zentralen Vertreter der kunstvollen Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts. Auf dessen Werk fußt auch Brooke Shelleys „Stetit Angelus“, in dem ein Engel besungen wird – jenes geistige Wesen, das als Mittler zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre in Erscheinung tritt.

Mit Hildur Guðnadóttirs „From the Other Place“ schlägt Sjaella eine klangliche Brücke zwischen den Botschaften. Die grafisch notierte Musik erklingt dabei in stets neuer Gestalt – beeinflusst durch das Vergangene und das augenblickliche Entstehen im Raum.

Auszüge

Repertoire